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Als der Schlosshof noch begrünt war

Schloss  Hermann Greiser 1906_webTageblatt- Verleger Hermann Greiser sorgte für Prachtansicht
Rastatt(rw). Wenn es eine Hitparade der schönsten Postkartenansichten des Rastatter Schlosses gäbe, dann wäre diese unter den Top-Five. Es handelt sich um eine seltene Totale von der Herrenstraße fotografiert aus, die 1906 vom verliebten Franz an die Lehrerstochter Franziska nach Lörrach ging.
Ein Maler hätte die Gesamtansicht nicht besser gestalten können, die dem Verleger des „Badischen Tageblatts“ ab 1899, Hermann Greiser, zu verdanken ist. In Zusammenarbeit mit dem Postkartenverlag Metz in Tübingen wurde auch dem Renner vor über 100 Jahren, dem millionenfach Versenden von Ansichten (der E-Mail von damals), Rechnung gezollt.
Aus der Ansicht kann man einiges herauslesen. So ist der geradezu urwaldmäßige Bewuchs des Schlosshofs auffällig, wie er bis 1933 anzutreffen war. Zudem sind drei Uniformierte erkennbar und ein Wachhäuschen. Dieses weist darauf hin, dass vor dem Ersten Weltkrieg der Rastatter Stadtkommandant im rechten Südflügel des Schlosses logierte. Dazu kommt die Erkenntnis, dass dort, wo sich heute die Stadtinformation befindet, das Wachlokal der Schlosswächter befand.
Ein besonderes optisches „Leckerli“ auf der Postkarte aus dem Verlag von Hermann Greiser sind zwei junge Damen im Vordergrund. In ihren Sommerkleidern schirmen sie sich vor den Sonnenstrahlen ab, damit die „vornehme Blässe“, dem Zeitgeschmack im Kaiserreich entsprechend, nicht einer Hautbräunung weichen könnte.
Mit der Schlosspostkarte hat der „Badische Tageblatt“-Verleger ein fotografisches Gemälde hinterlassen, das als aufschlussreiches Zeitgemälde bezeichnet werden kann.
Bild: Eine Ansichtspostkarte von 1906 des BT-Verlegers Hermann Greisers stellt ein besonderes Zeitgemälde dar.

Repro/Foto: Wollenschneider
12. Juni 2015

300 Jahre Stadtgründung Karlsruhe
Rastatter Festungssteine in Karlsruhe

Zoo-Lauterberg und Turmberg profitierten vom Abbruch des Bollwerks
Rastatt/Karlsruhe (rws). Der antiquarische Band von 1907, „Zweihundert Spaziergänge und Ausflüge für die Umgebung der Landeshauptstadt Karlsruhe“ von Thomas Cathiau führte auf die Spur. Es gibt zum 300-jährigen Stadtjubiläum Karlsruhes Querverbindungen zu Rastatt, an die man nicht mehr gedacht hat.
Cathiau führt an, dass die „Südostterrasse des Turmbergs bei Durlach“ mit Steinquadern der geschleiften Festung Rastatt errichtet worden war. Das passte um 1890, als die Wälle des Bollwerks an der Murg gegen Frankreich niedergelegt wurden und Abertausende von behauenen Buntsandsteinen sich in der Abbruchsmasse fanden. Da war das Baumaterial aus Rastatt willkommen. Inzwischen war die Turmbergterrasse in die Jahre gekommen. Zwar überstand sie die Fliegerangriffe im April 1944, aber schon 2009 gab es Notsanierungsmaßnahmen für den 6 Abriss Festung Konvikt_webhistorischen Aussichtspunkt mit den Baumaterialwurzeln in Rastatt. Das Projekt „Terrassensanierung Turmberg“ führte dann inzwischen zu einer kompletten, modernen Lösung für den Idealpunkt mit dem Blick auf die Fächerstadt.
Sucht man dann weiter nach dem Verbleib von Rastatter Baumaterialien in Karlsruhe, dann stößt man auf den Lauterberg im Bereich des Zoos. Dazu muss angemerkt werden, wie wertvoll um 1890 noch behauene Buntsandsteinquader waren. Ein Steinmetz benötigte bei der damaligen Werkzeuglage viele Minuten, bis das akkurate Ergebnis zur Verfügung stand. Mit dem Lauterberg, Karlsruhes höchster inner-städtischen Erhebung auf dem Zoogelände, wurde auf dem Gipfel ein ganz besonderer Wasserturm geschaffen. Diese, als „Tarnung“ errichtete Burgruine, könnte auch als Vorbild für die um 1901 in Rastatt errichtete „Rumpelburg“, einer Ausflugs-Romantik-Ruine des Verschönerungsvereins, in Karlsruhe gedient haben.
Jedenfalls Zugänge zum Wasserbehälter auf dem aufgeschütteten Berg (154 Meter ü. N.N.), Wälle und der markante Aussichtsturm profitierten von dem recycelten Abbruchmaterial aus der Rastatter Festung. Eine Zeit lang wurden die Bauten auf dem Karlsruher Lauterberg auch „Rastatter Bastei“ tituliert. Jedenfalls 1958 verschwindet der Aussichtsturm auf dem „Zoogipfel“ und wird durch eine attraktive Plattform ersetzt. Auch das Wasserreservoir auf dem Lauterberg wird 1967 außer Dienst gestellt und hinterher mit Beton aus statischen Gründen ausgefüllt.
Was noch immer erkundet werden kann, das ist das Stadtgartentor auf dem Zoogelände. Die historische Tür wird immer noch von kunstvoll behauenen Rastatter Festungsbundsandsteinen eingerahmt.
Bild: Spuren vom Abriss der Festung Rastatt 1890, hier unterhalb des heutigen Krankenhauses,  finden sich noch in Karlsruhe. Dort hat man am Turmberg und Lauterberg im Stadtgarten behauene Buntsandsteine verwendet.
Repro: Wollenschneider
12. Juni 2015

Mittlere Reife vor 100 Jahren
Mit dem U-Boot zur Reifeprüfung
Einjähriges Büchler 1916Büchlersche Realschule im Zeichen des Kriegs
Wenn nun wieder an den Realschulen Baden-  Württembergs die Schüler über ihren schriftlichen Abschlussprüfungen in Deutsch, Mathematik und Englisch schwitzen, kann man sich gerne einmal an ihre Leidensgenossen vor 100 Jahren erinnern. Da war das „Einjährige“ der Abschluss, der mittleren Reife vergleichbar, der zu einer kürzeren Militärzeit nach einem Jahr mehr über die Regelschulzeit berechtigte.
Der Brauch wollte es 1916, dass man nach dem Erwerb der Reifeprüfung, eine Jubelkarte versandte. Damals (bis 1923) war die Büchlersche Realschule, heute in Baden-Baden mit der Nachfolgeeinrichtung, in Rastatts Kehler Straße ansässig. Gerade mal 13 Absolventen gab es im zweiten Jahr des Ersten Weltkriegs. Ihre Einjäh-rigenkarte stand für die jungen Burschen ganz im Zeichen des Krieges.
Die Karte zeigt ein Eisernes Kreuz, das an einem Band der damaligen Nationalfarben schwarz-weiß-rot hängt. Nicht fehlen dürfen in den Ecken das Rastatter Stadtwappen und der Bezug auf die blaue, verschwundene Pennälerverbindung, die „Rhe-nania“. Was gar nicht optimistisch für die zukünftigen Soldaten des deutschen Kaisers stimmen konnte, die beherrschende Kriegsszene. Ein Flugzeug bombardiert ein U-Boot und landet einen Treffer auf dem Vorderschiff. Es wären schlechte Perspektiven mit Untergang  für die Einjährigen, würden sich nicht ein Rettungsreifen und ein Schiff als Hoffnung im Hintergrund befinden. Jedenfalls vor 100 Jahren wurde von den Schülern die Härte des Krieges realistisch eingeschätzt.

Text u. Foto: Wollenschneider
28..06.2016

Wer ist die Dame am Rastatter Rathaus?
Schutz durch die Badenia seit 1901
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Bildhauer Hans Jucker schuf die Skulptur
Abertausende von Passanten haben sie im Vorbeigehen unbewusst gesehen, die Buntsandsteinskulptur. Aber kaum einer hat sich wohl je einen Gedanken darüber gemacht, um wen es da oben an der Rückseite des historischen Rathauses handelt. Dort findet sich hinter einem Taubenschutzgitter in einer Nische, einer griechischen Göttin neben einem Altarstein gleich, eine schlanke Gestalt. Ihr fehlen Finger der rechten Hand, sieht man genauer hin.
„Salve 1901“ auf einem Schild zu Füßen der weiblichen Gestalt, weist grüßend auf das Entstehungsjahr hin. Ab 1899 wurde der Rathausanbau aus Barocken Zeiten abgerissen, worin sich auch ein Rastatter Gefängnis befand. Den Bedürfnissen der Zeit folgte, wie man heute an den anderen Steinen erkennen kann, ein Rathausanbau mit gelbbräunlichen Buntsandsteinen. Auf die Spur des Bildhauers der Plastik führen die beiden Granittafeln beiderseits des Rathauses. Sie wurden von Hans Jucker (1868–1922) mit den Namen der Bürgermeister bis 1900 gefertigt und später von anderen Steinmetzen weitergeführt.
Jucker muss es auch gewesen sein, der die Frauenskulptur an der Außenseite des Rathaussaals schuf. Der klare Hinweis darauf ist die kauzige Fratze, einem bekränzten Faun gleich, ganz in Manier von Hans Jucker. Diese findet sich im oberen Teil der Nische So hat er auch seine Familie an der Fassade seines Wohnhauses in der Karlsruher Straße neben dem Bahnhof verewigt. Markant sind die großen, offenen Augen.
Sucht man nun eine Begründung für die Frauengestalt am Rathaus, so kommt man ihr unter anderem mit einer Bronzemedaille von 1842 auf die Spur. Diese war Adam von Itzstein gewidmet. Der war von 1842 bis 1846 der politische Vertreter im badischen Parlament für den Ämterwahlbezirk Rastatt-Ettlingen. Dem „Vertreter der Volksrechte“ ist die Erinnerungsmedaille gewidmet und zeigt auf der Rückseite eine Frauengestalt. Dabei handelt sich um die Badenia, die Schutzgöttin Badens, allerdings auf der Itzstein-Medaille mit einem Schild. Dafür findet sich aber, wie am Rastatter Rathaus, ein Altarstein.
Damit kann man davon ausgehen, dass man 1901 bei der Erweiterung des Rastatter Rathauses die Badenia für den Schutz des Gebäudes und als guten Geist für die Stadträte bis heute mit Blick auf den Paradeplatz verewigt hat.

Bild: An der Rückseite des Historischen Rastatter Rathauses findet sich die wenig beachtete Badenia, die vom Bildhauer Hans Jucker geschaffen wurde. Sie entstand 1901.

Foto: Wollenschneider

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An der Rückseite des Historischen Rastatter Rathauses findet sich die wenig beachtete Badenia, die vom Bildhauer Hans Jucker geschaffen wurde.
 Sie entstand 1901.

Rastatt im Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren
Roter Kreuz-Emblem auf Festungslazarett
Rotes Kreuz Garnisonslazarett.Acht Lazarette für die Kriegsopfer
Wenn nun überall von einem friedlichen Weihnachtsfest und den besten Wünschen für 2017 die Rede ist, darf nicht vergessen werden: Vor 100 Jahren war Rastatt von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs betroffen. Soldaten der Traditionsregimenter Nr. 30 (Artilleristen) und Nr. 40 (Hohenzollernfüsiliere) mussten erhebliche Opfer im Kampf gegen die titulierte „Entente“ mit Frankreich und anderen Kriegsgegnern zu verzeichnen. Nach der Ausstellungsflut von 2014 zum großen Völkermorden ist es nun ruhiger geworden.
Erinnert werden soll daran, dass Rastatt ein wichtiger Lazarettort währen des Ersten Weltkriegs auch an der Jahreswende 1916/17 war. Albert Neininger berichtet in seiner Chronik zur Rastatter Militärgeschichte von 15 000 Soldaten, die in Rastatt für die Kämpfe in Frankreich bereit standen. Neben den Ausbildungsplätzen für aktivierte Reservisten gab es acht Lazarette in Rastatt. Stempel auf versandten Ansichtspostkarten zeugen noch heute davon.
Verwundete aus den seit September 1914 andauernden Kämpfen waren in der ehemaligen Rastatter Barockresidenz, der Fruchthalle, der Hansjakob-Schule, der Mädchenschule (heute Platz der Badner Halle), des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums, des heutigen Bildungshauses St. Bernhard und der späteren Kaserne Joffré im Dörfel untergebracht. Neininger berichtet von  44478 Verwundeten, darunter auch viele gefangene Franzosen, die in der Stadt an der Murg betreut wurden.
Allerdings der Hauptverbandsplatz war das Garnisonslazarett aus Festungszeiten im „Dörfel“ der Ludwigsvorstadt. Dass es vor über 100 Jahren die Vorsorge wegen Luftangriffen der eben aufgekommenen Flugzeuge gab, das belegt eine seltene Ansichtspostkarte. Mit dem Stempel des „Reservelazarett I - Garnisons-Lazarett“ ging diese nach Bermbach. Unverkennbar auf dem Dach des großen Gebäudes ein gemaltes Rote Kreuz-Symbol.
Dazu findet sich im Rastatter Stadtarchiv ein Schreiben vom 30. März 1915 an den Gemeinderat, unterzeichnet vom Direktor des Reservelazaretts. Nach „Befehl“ des Roten Kreuzes in Genf sollen auf Reserve-Lazarett-Gebäuden Symbole auf den Dächern aufgemalt werden, dass sie einen Schutz vor Luftangriffen darstellten.
Die Markierungen sollten in haltbarer Ölfarbe aufgebracht werden, wie es in Karlsruhe schon geschehen sei. Neben dem Start im Garnisonslazarett sollten auch die weiteren Krankenversorgungseinrich-tungen gekennzeichnet werden. Mit der Perspektive nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzung, wurde auch im Scheiben an den Gemeinderat der Stadt Rastatt gedacht: „Die Wiederherstellung in den früheren Zustand erfolgt nach der Demobilmachung auf Kosten der Militär-Verwaltung." Noch fast zwei Jahre sollten bei dem großen Völkerkrieg folgen und manches Kriegsopfer war zu versorgen. Allerdings verfehlte die Markierung der Lazarettdächer damals ihre Wirkung nicht.
Bild: Während des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren wurden schon die Dächer der Rastatter Lazarette, hier das Garnisonslazarett im Dörfel,  mit dem Rote Kreuz-Symbol wegen befürchteter Bombenangriffe markiert.

Bild und Text R.Wollenschneider
6.01.2014


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