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Am 9./10. April vor 100 Jahren
Lenin auf dem Ötigheimer Passionsgleis


Abenteuer des Hilfsdienstfreiwilligen Emil Belzner
2 Lenin Oktoberrevolution_webDas ist schon eine abenteuerliche Geschichte, welche der 16-jährige Hilfskriegsfreiwillige aus Bruchsal, Emil Belzner, beim Eisenbahnbetriebswerk Rastatt, erlebt hat. Danach hielt sich, am 9. April in der Schweiz mit einem anderen Eisenbahnzug in Zürich gestartet, Wladimir Iljitsch Uljanov (Lenin) auf dem von Rastatt aus betreuten Ötigheimer Passionsgleis auf.
Das Buch des 1901 geborenen Emil Belzners mit entsprechenden Schilderungen erschien 1969 und trägt den Titel: „Die Fahrt in die Revolution oder Jene Reise“. Der Wahrheitsgehalt kann hoch angesetzt werden, denn schon 1927 hat Belzner dem sowjetischen Außenminister Tschitscherin einen kurzen Bericht zum Lenin-Zusammentreffen in Baden-Baden überreicht. Allerdings das Geschilderte aus dem Innern des Salonwagens war damals der russischen Führung nicht genehm.
Zur geheimen Fahrt von Lenin und 32 russischen Emigranten durch Deutschland war es gekommen, da sich das Auswärtige Amt in Berlin von dem Transport der Bolschewiken, den erfolgreichen Kampf gegen feindliche Kräfte versprach. Im noch andauernden Ersten Weltkrieg sollten durch den Wegfall der Front im Osten, Kräfte für die Kämpfe im Westen zur Verfügung stehen. Der Zug mit Lenin und Anhang kam aus Gottmadingen und fuhr dann die Nordstrecke über Freiburg und Baden-Baden.
Dem jungen Emil Belzner wurde am besagten Tag erzählt, ein Zug mit entflohenen sibirischen Sträflingen würde am sogenannten Ötigheimer Gleis eintreffen. Die weitere Fahrtstrecke würde über Schweden nach Petrograd führen. Auf dem Sondergleis war schon der Zug eines hochgestellten Adeligen geparkt. Dazu Belzner: „Auf dieses Gleis, das eine wenig befahrene Strecke versorgte, wurde auch der Schweizer Sonderzug geschoben.“ Dieser hatte absoluten Vorrang. Hintergrund für den Sonderhalt sei gewesen: „Bei den Schweizern musste ein Schaden behoben werden. Sie verloren am Küchen- und Heizungswagen Wasser.“
Der sechzehnjährige Belzner war neugierig, was sich hinter den zugezogenen Vorhängen tat. Auf sein Klopfen an einem Fenster: „Ein Dämonengesicht, ein mächtiger fremdartiger Schädel blickte auf mich nieder“, und verschwand wieder. Mit seinem Vierkant öffnete der Junge die Zugtür und wurde dann von einem Koch hineingezogen. Man rangierte Sonderzug wieder aufs Hauptgleis. Belzner kapierte plötzlich, dass er sich auf exterritorialem Gebiet befand.
Es kam zu einem Dialog mit dem „Dämon“, der eine „Mischung von Allemannisch und Bayrisch“ sprach. Später erfuhr Emil Belzner, dass sein Gegenüber Lenin war. Der erkundigte sich nach dem Ötigheimer Freilichttheater und Rastatt sei für Lenin ein Begriff gewesen: „Rastatt ist gut; achtundvierzieger Revolution.“ Belzner lernte auf seiner Fahrt nach Frankfurt noch Lenins Frau Nadeschda Krupskaja und dessen „Revolutions-Muse“, die schöne Ines Armand, kennen. Den unfreiwilligen Rastatter Passagier ließ man in Frankfurt wieder springen.
Wie Lenin durch Deutschland geschleust wurde, waren es später noch zirka 400 weitere, die in Russland für Unruhe und die Oktoberrevolution sorgten.
Bild: Vor 100 Jahren machte Lenin einen unfreiwilligen Halt auf dem Ötigheimer Passionsgleis, wie der damals 16-jährige Emil Belzner festgehalten hat. Zuvor fuhr der Sonderzug durch den Baden-Badener und Rastatter Bahnhof.

Tex undt Fotos: Postkarten 100 Jahre alt, Sammlung Wollenschneider
+ Propagandakarte Lenin, Oktoberrevolution

Bahnhof Rastatt 1917_web Bahnhof Baden-Baden 1917_web

Aus den BNN vom 30.1.2016

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