ic_pdf

Flyer als als PDF Datei herunterladen

Neues vom Westwallbunker

neu_rNeueste
vom Cavalier I

Banner Verein-Web_web

 

Erinnerungen an den „Volkschor Liedesfreiheit“



Ein Sängerglas atmet Rastatter Geschichte
Julius Thomen von Hans Peter Faller verewigt
 „Wo rein der Sang und wahr das Wort, da ist des freien Sängers Hort“, lautete der Sängerspruch in der Festschrift zum 100-Jährigen, den Werner Mellert zu den Feierlichkeiten des „Volkschors Liedesfreiheit e.V. Rastatt“ 2006 voranstellte. So wie Mellert 2016 seine sieben Jahrzehnte als Mitglied begehen konnte, gäbe es sicher bald einen neuen Grund zum Feiern. Aber 2017 kommt für den Gesangsvereins aus Gründen des Mitgliederrückgangs das Aus.
Was bleibt sind Memorabilien an eine kämpferisch-aktive Vereinsgeschichte, wie eine Miniatur, die sich im Haus des Hans Peter Faller im Münchfeld erhalten hat. Dessen Ehefrau Lina hatte einen Großvater, der ein besonders Kapitel Rastatter Stadtgeschichte aufleben lässt. Ein Julius Thomen gewidmetes, mundgeblasenes Bierglas in Kelchform hat die ungewöhnliche Normierung von 6/20stel Liter. Kunstvoll die emaillierte Aufschrift mit dem Hinweis auf den Deutschen Arbeiter Sängerkreis und seinen damals titulieren „Gau Baden“. Das bedeutet, dass das Glas um 1929 gewidmet worden war, als sich der Gesangsvereins vom „Arbeitergesangsverein Liedesfreiheit - Rastatt“ umbenannte.
Der gelernte Gärtner Julius Thomen, geboren 1885, kam aus der badisch-Müllheimer Region und arbeitete bei der berühmten NESTLE-Familie in Vevey am Genfer See. Er lernte dort seine spätere Frau Marie Antoinette Flotron kennen, die im Millionärshaushalt Köchin war. Schließlich musste Julius Thomen doch seinen Militärdienst im Kaiserreich und in Rastatt beim Infanterieregiment 111 ableisten.
 Glas Liedesfreiheit Lina FallerThomen heiratete seine Marie Antoinette 1917 und fand dann die Stadt an der Murg so attraktiv, dass er sie mit seiner Familie als neuen Wohnsitz auswählte. Man lernte die Gartenkunst des SPD-Mitglieds schätzen, der engagiertes Mitglied des Gesangsvereins Liedesfreiheit wurde. Er pflegte Rastatter Villengärten und war auch unter den Allerersten, als die Wohnbauten der Siedlung im Münchfeld realisiert wurden. Mit seiner Familie wohnte der ehemalige Markgräfler in der damaligen Robert-Gerspach-Straße, wie damals die Münchfeldstraße hieß.
Dann wurde Sangesbruder Thomen für sein besonderes Engagement das erhaltene Sängerglas verliehen. Tragisch dabei, dass bei einem Bombenangriff in Freiburg 1944 das Schicksal zuschlug und er einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Nicht nur das Prachtglas erinnert heute an Julius Thomen sondern auch etwas anderes. Hans Peter Faller hat in seinen begehrten Geschichten von Ludwig, der Stadtmaus, dem Ehepaar Julius und Marie Antoinette in der Küche von Schloss Favorite ein literarisches Denkmal gesetzt.
Bild: Ein Prachtbierglas, gewidmet Julius Thomen, erinnert an die Geschichte des „Volkschors Liedesfreiheit“, der sich nach seiner Gründung 1906 in diesem Jahr auflösen wird.
Text u.Foto: Wollenschneider

Rastatt im Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren ...<mehr>

100 Jahre Ausbruch Erster Weltkrieg


Rastatter Weihnachtsgruß für die Front
Lina Bloedt und „Mayer-Seppl“ als tragische Helfer
Weihnachtsgabe 1. Weltkrieg_webNoch bis zum 1. Februar 2015 ist im Gewölbekeller des Rastatter Stadtmuseums die von Christina Reichl konzi-pierte Ausstellung zu Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen. Die meisten abgebildeten Personen verbleiben in der Anonymität. Da ist es ein Fund auf einer Rastatter „Weihnachtsgrußkarte“ vor 100 Jahren, Personen benennen zu können, zudem zwei davon, die ein äußerst tragisches Schicksal erlitten haben.
Die vorliegende Postkarte zeigt eine Gruppe von Rastattern in der Kaiserstraße 24, die dabei ist, „Liebesgaben“ für die Soldaten an der Front zu verpacken. Es war eine wiederholte Aktion bis 1918, den Kämpfern im Ersten Weltkrieg, Süßigkeiten aber auch Textilien als Gruß aus der Heimat zukommen zu lassen.
Dank der Datierung auf der Rückseite einer Postkarte können die freiwilligen Helfer nahezu lückenlos benannt werden, da diese mit Bleistift festgehalten wurden. Darunter Lina Bloedt und der mit dem Vermerk: „(Jude)“ versehene „Maier Seppel“. Dabei trug dieser stadtbekannte Mann den Namen Josef Julius Mayer (1865-1941). Er musste nach seinem sozialen Engagement, gerade im Ersten Weltkrieg, hinterher mit seiner Familie unter den Nationalsozialisten leiden.
Josef Mayer ist fest verbunden mit der Vereinsgeschichte der Großen Karnevals Gesellschaft. Für diese schrieb der jüdische Zigarrenhändler aus der Murgtalstra-ße in der Ludwigsvorstadt unzählige Büttenreden. Spektakulär waren auch 1899 sein Buch „Rastatter Allerlei“ oder seine Verse zur Eröffnung des „Braustüb’ls“ im Frühjahr 1928. Bei der Reichspogromnacht 1938 konnte der engagierte Feuerwehrler und Mitglied in der Turnerschaft mit seiner Familie gerade noch den Angriffen der braunen Horden entgehen. 1940 wurde Josef Julius Mayer ins Lager Gurs in den Pyrenäen deportiert, wo er zusammen mit seiner Frau umkam.
Die zweite „tragische Person“ auf der Weihnachtsgruß-Postkarte ist die junge Lina Bloedt. Die allgemein engagierte Frau, Mitbegründerin der Frauenabteilung des Ruder-Clubs-Rastatt“, verunglückte zusammen mit Mariele Herrmann und Eugen Krum unterhalb der Murgmündung tödlich. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Kanu- und Rudersport für Deutsche von den Siegermächten verboten worden. Dieses wurde im Sommer 1920 aufgehoben. Gleich bei der zweiten Fahrt auf dem Rhein führten die Wellen eines Raddampfers zum Vollschlagen des Vierer-Ruderboots. Während die Geschwister Dannhauser gerettet werden konnten, ertrank Lina Bloedt in den Fluten des Rheins am 22. August 1920.
So können Bildpostkarten Geschichten erzählen. Manch andere Perspektive eröffnet sich bei der Ausstellung im Rastatter Stadtmuseum.
Hinweis. Eine Weihnachts-Bildpostkarte, vor dem Hintergrund der Ausstellung im Rastatter Stadtmuseum, zeigt mit Lina Bloedt (7.v.rechts) und Josef Mayer (3.v.rechts) zwei Personen, die nach ihrem Engagement im Ersten Weltkrieg ein tragisches Schicksal erlitten.

Foto/Repro: Sammlung Wollenschneider

24.12.2014


2014
300 Jahre “Rastatter Frieden”
1714 - 2014
Im Jahre 1714 wurde in Rastatt der Spanische Erbfolgekrieg in beendet

Eugen_Villar

Zusammenkunft des Prinzen Eugen mit dem Marschall Villars zu Rastatt


Aus dem Badischen Tagblatt vom
17. April 2014

bild_web

Rastatt (ist) - Ein schöner Fund geriet dem Historischen Verein Rastatt kürzlich in die Hände. Beim Aufräumen seiner Planunterlagen hatte der Kuppenheimer Architekt Eberhard Bechmann eine Kapsel gefunden, die gefüllt war mit Bauplänen und farbigen Zeichnungen vom früheren Hilberthof in Rastatt.
  So wurde und wird bis heute der Gebäudekomplex zwischen Bahnhofstraße, Ludwigring und Rauentaler Straße bezeichnet, der seit seiner Entstehung 1861 bis 1865 verschiedenen Zwecken diente. Ursprünglich war der Bau als „bombensicheres" Festungslazarett der Bundesfestung Rastatt eingerichtet und 1904 erweitert worden, dann diente er als Karlsruher-Tor-Kaserne. Zeitweilig betrieb der Unternehmer Hubert eine Uniformfabrik in dem weiträumigen Gebäude. In den 1970er Jahren befand sich im Unterge-schoss ein Lokal der Brauerei Franz. Diese beschloss damals, dem Trend der Zeit folgend, die Einrichtung einer Diskothek und beauftragte den Architekten Bechmann mit dem Bauentwurf. So kam die gut erhaltene, umfangreiche Plansammlung nach Kuppenheim.Die Diskothek „Kasematte" wurde seinerzeit auch eingerichtet, bestand aber nur kurze Zeit; einige Rastatter Bürger erinnern sich noch an Besuche in diesem Lokal
1983 wurde der Hilberthof abgerissen und mit ihm verschwand auch die „Kasematte". Die neuentstandene Einkaufspassage samt Wohnanlage behielten den Namen „Hilberthof. Dank der Aufmerksamkeit von Eberhard Bech-mann verfügt der Historische Verein nun über weitere Mosaiksteinchen, mit denen sich die Nachwelt ein Bild der früheren Festungsanlagen machen kann. Interessant sind neben dem Spital auch die eingezeichneten Nebengebäude des früheren Hilberthofs, von denen eines ein Milchgeschäft beherbergte, oder ganz profane nachträgliche Anbauten wie Latrinen für die Mannschaften. Und weil es sich bei den Plänen um Originale handelt, die noch die Signaturen der Genieoffiziere (Bauingenieure) Pollini und Pessia tragen, wurde von jedem Blatt eine Sicherungskopie erstellt.

 

Mannschaftslatrine 2 Kopie_web
Kriegsspital Ebenerdiges Geschoss 7 Kopie_web

.

cRASTATT liegt im Elsass

1 Ortschild CRASTATT Elsass 3_web „E Raschtatt giebt’s nor oins!“, ließ 1899 der Rastatter jüdische Poet, Josef Julius Mayer, in einem Gedicht aus seinem Band „Rastatter Allerlei“ verlauten. Damit lag er aber nicht unbedingt richtig. So, wie es mit Bietigheim in Baden, ständig postalische und Internet-Verwechslungen mit dem Bietigheim in Württemberg gibt, so trifft das auch auf Rastatt zu.
Einmal ist es die Urlaubsgemeinde Rad-stadt in Österreich oder auch das Gasthaus „Zur Rastatt“ im westfälischen Nachrodt-Wiblingwerde, die mit der Stadt an der Murg in Verbindung gebracht werden. Doch nicht so viele dürften wissen, dass es im Elsass, 30 Kilometer von Straßburg und 15 Kilometer von Saverne, ein CRASTATT gibt. Nach weniger als 300 Metern abseits der Nationalstraße Nr. 4 befindet man sich in einem ländlichen Örtchen, dessen optischer Anblick des Ortschildes in einem badischen Besucher, Parallelen aufflammen lässt.

CRASTATT mit seinen momentan weniger als 250 Einwohnern liegt wirklich abseits. Fährt man durch die Ansiedlung, so verfolgen einen die Blicke der Einheimischen, denn so oft kommt hier kein Auto mit deutschem Kennzeichen durch. Der Ort mit der direkten Klangverwandtschaft bei der Aussprache mit Rastatt ist urkundlich schon im achten Jahrhundert erwähnt worden, in der Zeit der Merowinger.Eindrucksvoll dazu ist der erhaltene romanische Glockenturm der Dorfkirche St. Augustin aus dieser Zeit.Historisch mutet auch die „Mairie“, das Bürgermeisteramt daneben, an. Zudem müssen die Dorfbewohner auf ein Gasthaus verzichten. Allerdings ist im nahen Saverne genug zur Freiheitsgestaltung geboten. Mit Michèle Eschlimar von Demokratischen Unabhängigen Union hat CRASTATT zudem seit diesem Jahr eine Bürgermeisterin für den Ort mit bevölkerungsmäßig aufstrebender Tendenz. Die Kommunalpolitikerin konnte sich mit 54 Prozent vor den Mitbewerbern der Front National platzieren. Jedenfalls, wenn man sich nach dem Ort CRASTATT, abseits der Hauptstraße verirrt, so erweckt das Ortschild heimische, badische Assoziationen.
2 Ortschild CRASTATT Elsass 3_web
CRASTATT liegt im Elsass und weist eigentlich nur Ausspracheparallelen zu RASTATT im Badischen auf.


Text, Foto: Wollenschneider
17.09.2015


Auch ein Amerikanerdenkmal gab es

Stadtarchivar Oliver Fieg hielt am 18. Februar 2016 im Gasthaus „Zum Storchennest“  einen Vortrag zum Thema „Amerikanische Kriegsgefangene in Rastatt am Ende des 1. Weltkrieges“. Die Mitglieder des Dörflervereins und des Historischen Vereins waren hierzu in großer Zahl erschienen.  Bekanntlich existierten in Rastatt zwei Gefangenenlager, eines im Stadtteil Münchfeld und das andere im Zay. Dort wurden ukrainische, italienische, serbische und französische Staatsbürger -Kriegsgefangene und Zivilinternierte- untergebracht. Briefe und andere schriftliche Dokumente, verfaßt von den Insassen, konnte Fieg den Zuhörern in Bildern präsentieren. Selbst der Speiseplan, bestehend aus Frühstück, Mittag- und Abendessen mit 2000 Kalorien täglich wurde gezeigt. Die Nahrungsration war für die Internierten höher als für die deutsche Bevölkerung. Zu Beginn des Weltkrieges waren auch französische Zivilisten in Rastatt interniert, die später mit dem Zug nach Südfrankreich verbracht wurden.

Was viele nicht wußten: Auch 3000 amerikanische Soldaten gerieten zum Kriegsende im Jahr 1918 in deutsche Gefangenschaft, von denen 2600 in Rastatt einquartiert wurden. Der Stadtarchivar zeigte Bilder, auf denen die Insassen beim Football-, Baseball- und Volleyballspielen zu sehen waren. Neun amerikanische Soldaten starben während dieser Zeit und wurden auf dem Friedhof in Niederbühl beigesetzt. Nach dem Krieg exhumierte man diese Gräber und überführte die Verstorbenen zur letzten Ruhe nach den USA. Der den verstorbenen Amerikanern gewidmete Gedenkstein wurde 1958 auf Anordnung der Militärbehörde vom Friedhof entfernt – der Verbleib ist unbekannt. An die ukrainischen Gefangenen von damals erinnert hingegen bis heute ein Ehrenmal auf dem Stadfriedhof.

 

Ein herzliches Dankeschön an Oliver Fieg für seinen interessanten Vortrag zur Geschichte unserer Heimatstadt Rastatt!
Bild: Stadtarchiv Rastatt
5.3.2016

Dr. Michael Lochbühler-Stamm

                 

.

Dienstag, 9. Mai 2017

Impressum

Kontakte

© Historischer Verein Rastatt e.V.
    Web Design: Reiner Schulz

website design software