Exkursion des Historischen Vereins nach Verdun
Wieder einmal hat der Historische Verein Rastatt über den mit lokalen Angeboten gefüllten Tellerrand hinausgeschaut und diesmal eine militärhistorische Exkursion angeboten. Anlässlich des 100-Jährigen eines des verlustreichsten Völkermordens der Geschichte, der „Abnutzungsschlacht“ beim lothringischen Verdun, wurde fast 40 Interessenten eine letztlich schockierende Zeitreise in die Geschichte eröffnet.
0 Verdun Karten 1916 _webAls äußerst kompetenten Referenten für die zweitägige Fahrt zu Brennpunkten der Kämpfe zwischen Februar 1916 bis 1918, konnte Vereinsvorsitzender Dieter Wolf, den Militärhistoriker Carsten Dierks aus Bad Sobernheim gewinnen. Dieser lieferte kein einseitiges Freund-Feind-Bild, sondern beim Besuchen der verschiedenen Stationen der Kämpfe im Ersten Weltkrieg, Fakten und erschütternde Geschichten. Dieses, um sich im Nachhinein selbst ein Bild des unsinnigen gegenseitigen Vernichtens zu bilden. Dazu gehörte der Beschuss mit hunderttausenden von Granaten auf dem „champ de bataille“, der die Landschaft veränderte. Noch heute sind die Einschlagtrichter neben dem Labyrinth der „gebuddelten“ Schützengräben zu erkennen.
Aktuell gibt es noch gesperrte die „Zone Rouge“ (Rote Zone) am Schlachtfeld von Verdun, die aus Sicherheitsgründen nicht begehrbar ist. Carsten Dierks schilderte für die Mitglieder des Historischen Vereins und Gäste auch die verheerenden Auswirkungen des Gaskriegs. Dazu kam man mit dem Bus auch an Soldatenfriedhöfen mit 8500 bis 150000 Soldaten vorbei. Enorm beeindruckend auch das neu gestaltete Museum „Mémorial Verdun“ mit deutschen, französischen und englischen Erläuterungstexten. Erschütternde Eindrücke von jungen Menschen, die damals der Kriegsmaschinerie und der Generalität zum Opfer gefallen waren, erhielt man auch beim Besuch des im Beschuss ausradierten Dorfes Fleury, dem Fort de Vaux und vor allem in der Zitadelle von Verdun. Bei Temperaturen von unter zehn Grad wurde dort bei einer multimedialen Präsentation auf dem neuesten Stand, der Wahnsinn von damals nachvollziehbar. Gerade, welchen psychischen und physischen Belastungen die Soldaten vor 100 Jahren ausgesetzt waren.
Im Fort Douaumont mit seinen dunklen und feuchten Kasematten, die an Rastatts Festungsvergangenheit erinnerten, legten Dieter Wolf und Vize Karl Schweizer einen mitgebrachten Kranz nieder. Dieses an einer Stelle, wo sinnlos bei einer Explosion 679 deutsche Soldaten ums Leben kamen, von denen die meisten nicht geborgen, sondern eingemauert wurden. Dazu gab es eine stimmungsvolle Gedächtnisfeier der Rastatter Delegation, mit dem Gedicht von Erich Kästner: „Verdun, viele Jahre später“.
Dazu sagte Dieter Wolf zum Verlauf der Exkursion: „Unfassbares wird fassbar!“. Dieses wurde hinterher noch bestätigt, als man das Beinhaus von Douaumont besuchte, wo zirka 150 000 nicht identifizierte Tote des Ersten Weltkriegs beider Seiten ihre letzte Ruhe fanden. An der Stelle, wo Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Ministerpräsident Francois Mitterand sich 1984 die Hände gereicht hatten, im Gedenken an die über 800 000 Toten beider Seiten, fand die rundum gelungene Reise des Historischen Vereins Rastatt ihren gebührenden Abschluss.

Bild 1: Zum Schluss der Exkursion des Historischen Vereins Rastatt, präsentierten sich die Teilnehmer vor der großen Kulissen des Beinhauses auf dem Schlachtfeld von Verdun vor 100 Jahren.

Bild 2: Anlässlich einer Exkursion des 100-Jährigen der Schlacht von Verdun im Ersten Weltkrieg besuchten Mitglieder und Gäste des Historischen Vereins Rastatt Stätten des Gedenkens
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Bild 3: Anlässlich einer Exkursion zum 100-Jährigen der Ereignisse um die Schlacht von Verdun im Ersten Weltkrieg wurde im Fort Douaumont von Dieter Wolf ein Kranz niedergelegt.

Text u. Foto: Wollenschneider
26.06.2016
 
 
 

 
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