|
Erinnerungen an „Rastatt 1849“ bei Berlin
Ein Denkmal für den „Brudermordorden“ in Babelsberg bei Potsdam
Das große Interesse an den revolutionär-demokratischen Ereignissen im Jahr 1849 in Baden mit der Kapitulation am 23. Juli in der „Freiheitsfestung“ Rastatt ist ungebrochen. Das belegt nicht zuletzt die aktuelle Publikums-Resonanz zum Projekt, „Straße der Demokratie.“ Dass es immer wieder noch etwas zu entdecken gibt, dieses dokumentiert ein „Fund“ im Babelsberger Park mit zwei kaiserlichen Schlössern bei Potsdam, die im 19. Jahrhundert dem deutschen Kaiser Wilhelm I. mit Familie als Sommerresidenz gedient hatten. Nachdem ein Mitglied des Rastatter Historischen Vereins bereits vor einigen Jahren feststellen konnte, dass sich im Babelsberger Schlosspark des titulierten „Kartätschenprinzen“ Wilhelm ein Bildstock als Erinnerung an die Kämpfe bei Muggensturm/ Kuppenheim vom 29. Juni 1849 findet, erhielt man nun bei einem vorbereiteten Vororttermin neue Erkenntnisse. Es wurde nun immer mehr deutlich: Für den deutschen Kaiser Wilhelm I. nach 1871 war der Oberbefehl in Baden 1849 das Sprungbrett zum Profilieren seiner damals so notwendigen militärischen Führerqualitäten gewesen. Leider sind die fünf präsentierten der 300 badischen Beutegeschütze, die sich als Trophäen sich auf dem Gelände des Babelsberger Parks fanden, inzwischen verschwunden. Dafür war neben dem Muggensturmer Bildstock eine „Fürstenhöhe“ etabliert worden: in Erinnerung an den Straffeldzug vom berühmten Parkarchitekten Fürst Pückler, ausgerechnet aus importierten badischen, roten Buntsandstein. Nicht weit davon entfernt ist die „Generalsbank“, mit Portraitbüsten von siegreichen preußischen Generalen zu finden, welche auch in Baden vor 159 Jahren ihre Spuren hinterlassen haben. Doch der einwandfreie „Gipfel“ im kaiserlichen Babelsberger Schlosspark, was die Bezüge zu Rastatt und Baden betrifft, ist der titulierte Michaelsbrunnen. Dessen Symbolträchtigkeit wurde gerade zu den Revolutionsfeierlichkeiten von 1999 und dem Katalog zur Landesausstellung im Schloss Karlsruhe nicht gewürdigt. So erweist sich das Michaels-Monument, das Kaiser-Bruder Friedrich Wilhelm IV. als „Dank“ für die Niederschlagung des badischen Aufstands gewidmet hatte, als wahre Fundgrube. Leider droht die Baufälligkeit des monumentalen Gebildes und der Zahn der Zeit das Ausnahmedenkmal zum Sieg preußischer Truppen im Rahmen der Expedition des Deutschen Bundes 1849 noch weiter „leiden“ zu lassen. Während die Widmung: „Zu Ehren der siegreichen Operationsarmee am Rhein im Jahre 1849“, nur noch zu erahnen ist, dominiert immer noch der überdimensionale Bronzeguss des Erzengels Michael. Indem dieser seine Lanze in das Maul des „Lindwurms der Revolution“ stößt, wurde Prinz Wilhelms Kriegszug, mit allerdings überlegenen militärischen Kräften gegenüber den deutschen Demokraten quasi zum heroischen „Kreuzzug.“ Doch die Spitze des Hohns zum Sieg der Reaktion über die Revolutionäre in Baden ist die überdimensionale Verewigung der Sieges- medaillen von 1849. Einmal wurde die von der Bevölkerung titulierte „Brudermordmedaille“ des Großherzogs Leopold vom 29. August 1849 mit Schwert und Palmzweigen, aber auch die preußische Gedächtnismedaille für die Sieger in Stein fest gehalten. Somit wird das Michaels-Monument im Babelsberger Park bei Berlin zum Ausnahmestück, was die Rezeption zur badischen Revolution von 1849 betrifft.
Prinz Wilhelm von Preußen am Bildstock Michaelsbrunnen Totale
  Text und Fotos: R.Wollenschneider Repro: Bildstock : R.Schulz 11.07.2008
|