AUGUST HATZ-Peis 2004
Rastatt 1848/49

Rastatt in den Revolutionsjahren 1848/1849

BTN5Orden
Panorama Belagerung Rastatt

Sie wirken noch nach, die Landesausstellung in Karlsruhe und die akribische Präsentation der Stadt Rastatt zum 150-jährigen Jubiläum der badischen Revolution. Stadtarchivar Wolfgang Reiß und Iris Baumgärtner waren nun erstaunt und angetan, als ein altkolorierter Steindruck mit dem Titel "Preußisches Lager vor der Reichsfestung Rastadt" auftauchte.
In ungewohnter Perspektive von Ottersdorf her wird im Format von ca. 25 x 40 Zentimeter eine Szene der Belagerung von Rastatt vom 1. bis 23. Juli 1849 gezeigt, wie man sie in dieser Lebendigkeit im Jubiläumsjahr 1999 nicht gesehen hatte. Vor den authentisch nachempfundenen Wällen der Stadt an der Murg eröffnen sich detaillierte Einblicke in das Alltagsleben der belagernden preußischen Soldaten, die in den Einzelszenen wie ein fortlaufender Comic gestaltet sind. Die bisher bekannten Darstellungen der Belagerung Rastatts durch zirka 15 000 Mann des zweiten preußischen Armeekorps unter der Führung von Generalleutnants Karl von der Groeben konzentrierten sich auf die Perspektive von Niederbühl bzw. dem Murgtal her. Wer die nun aufgetauchte Lithographie auf den Druckstein bannte, ist unbekannt, nur der Druck bei F.M. Reichel in Karlsruhe ist datiert. Während die Wucht der Festungswälle Rastatts mit beherrschendem Schloss und der Stadtkirche vor der Silhouette der Schwarzwaldberge deutlich wird, ist dokumentiert, wie man sich beim Warten auf die Kapitulation der Revolutionäre Ende Juli 1849 die Zeit vertrieb.

Ausschnitt: Rastatt Belagerung

So hat links im Vordergrund ein pelzbemützter Preuße ein sich noch wehrendes badisches Mädchen im Arm, daneben wird kräftig gezecht und andere Belagerer Rastatts spielen auf einem Baumstamm Karten.
 

Ausschnitt:Verhör, Husar, Grill

Vom Künstler ziemlich in den Mittelpunkt gerückt wurde das Verhör von drei Badenern im typischen blauen Kittel. Ein Offizier mit Pickelhaube und Schleppsäbel beobachtet die Szene, während sich ein Husar in schmucker, roter Uniform zum Ausritt fertig macht. Die vielen Details auf der Lithographie beinhalten auch das "Grillen" von gerupftem Federvieh über dem offenen Feuer.
Eine ideale Ergänzung zur nun vorliegenden Belagerungsszene bieten die Schilderungen des Soldaten Christian Petersdorff, welche 1999 unter dem Titel "In Baden 1849" vom Historischen Verein Rastatt herausgegeben wurden. Viel Kurioses bis hin zur Langeweile der Preußen ist auch dort zu finden.

Lützower Denkmal_web

Am Rand der Ötigheimer Gemarkung, dem Hirschgrund in Richtung Muggensturm, wurde 1889 ein Denkmal errichtet, das an den Tod von 14 preußischen Soldaten erinnert, die 1849 im Kampf gegen die Freiheitsfestung Rastatt gefallen waren.

Es handelt es sich um die Namen der 13 Gefallenen, die unter dem Oberbefehl von Carl Wilhelm Hermann von Hayn bei dem Gefecht am „29. Juny 1849“, so die Inschrift, starben.
Tragisch ist der Hintergrund zum Lützower-Denkmal am Federbach. So hatten damals die Rastatt belagernden preußischen Truppen mit insgesamt 25 Toten, 55 Verletzten und 12 Vermissten die höchsten Verluste im badischen Feldzug im Rahmen der Reichsverfassungskampagne. Außerdem ist das Schicksal von Hauptmann von Hayn und der Verbleib seiner Leiche sehr mysteriös.

.

Erinnerungen an „Rastatt 1849“ bei Berlin

Ein Denkmal für den „Brudermordorden“ in Babelsberg bei Potsdam

Das große Interesse an den revolutionär-demokratischen Ereignissen im Jahr 1849 in Baden mit der Kapitulation am 23. Juli in der „Freiheitsfestung“ Rastatt ist ungebrochen. Das belegt nicht zuletzt die aktuelle Publikums-Resonanz zum Projekt, „Straße der Demokratie.“ Dass es immer wieder noch etwas 0 Schloss Bbabelsberg totale_webzu entdecken gibt, dieses dokumentiert ein „Fund“ im Babelsberger Park mit zwei kaiserlichen Schlössern bei Potsdam, die im 19. Jahrhundert dem deutschen Kaiser Wilhelm I. mit Familie als Sommerresidenz gedient hatten.
Nachdem ein Mitglied des Rastatter Historischen Vereins bereits vor einigen Jahren feststellen konnte, dass sich im Babelsberger Schlosspark des titulierten „Kartätschenprinzen“ Wilhelm ein Bildstock als Erinnerung an die Kämpfe bei Muggensturm/ Kuppenheim vom 29. Juni 1849 findet, erhielt man nun bei einem vorbereiteten Vororttermin neue Erkenntnisse. Es wurde nun immer mehr deutlich: Für den deutschen Kaiser Wilhelm I. nach 1871 war der Oberbefehl in Baden 1849 das Sprungbrett zum Profilieren seiner damals so notwendigen militärischen Führerqualitäten gewesen.
Leider sind die fünf präsentierten der 300 badischen Beutegeschütze, die sich als Trophäen sich auf dem Gelände des Babelsberger Parks fanden, inzwischen verschwunden. Dafür war neben dem Muggensturmer Bildstock eine „Fürstenhöhe“ etabliert worden: in Erinnerung an den Straffeldzug vom berühmten Parkarchitekten Fürst Pückler, ausgerechnet aus importierten badischen, roten Buntsandstein. Nicht weit davon entfernt ist die „Generalsbank“, mit Portraitbüsten von siegreichen preußischen Generalen zu finden, welche auch in Baden vor 159 Jahren ihre Spuren hinterlassen haben.
      Doch der einwandfreie „Gipfel“ im kaiserlichen Babelsberger Schlosspark, was die Bezüge zu Rastatt und Baden betrifft, ist der titulierte Michaelsbrunnen. Dessen Symbolträchtigkeit wurde gerade zu 3 Michaelsbrunnen Michael Detail 4_webden Revolutionsfeierlichkeiten von 1999 und dem Katalog zur Landesausstellung im Schloss Karlsruhe nicht gewürdigt. So erweist sich das Michaels-Monument, das Kaiser-Bruder Friedrich Wilhelm IV. als „Dank“ für die Niederschlagung des badischen Aufstands gewidmet hatte, als wahre Fundgrube.
Leider droht die Baufälligkeit des monumentalen Gebildes und der Zahn der Zeit das Ausnahmedenkmal zum Sieg preußischer Truppen im Rahmen der Expedition des Deutschen Bundes 1849 noch weiter „leiden“ zu lassen. Während die Widmung: „Zu Ehren der siegreichen Operationsarmee am Rhein im Jahre 1849“, nur noch zu erahnen ist, dominiert immer noch der überdimensionale Bronzeguss des Erzengels Michael. Indem dieser seine Lanze in das Maul des „Lindwurms der Revolution“ stößt, wurde Prinz Wilhelms Kriegszug, mit allerdings überlegenen militärischen3 Michaelsbrunnen Brudermord_webmedaille Kräften gegenüber den deutschen Demokraten quasi zum heroischen „Kreuzzug.“
Doch die Spitze des Hohns zum Sieg der Reaktion über die Revolutionäre in Baden ist die überdimensionale Verewigung der Sieges- medaillen von 1849. Einmal wurde die von der Bevölkerung titulierte „Brudermordmedaille“ des Großherzogs Leopold vom 29. August 1849 mit Schwert und Palmzweigen, aber auch die preußische Gedächtnismedaille für die Sieger in Stein fest gehalten. Somit wird das Michaels-Monument im Babelsberger Park bei Berlin zum Ausnahmestück, was die Rezeption zur badischen Revolution von 1849 betrifft.

      Prinz Wilhelm von Preußen am Bildstock                                        Michaelsbrunnen Totale
Prinz Wilhelm von Preußen am Bildstock Michaelsbrunnen Babelsberg Totale
Text und Fotos: R.Wollenschneider
Repro: Bildstock : R.Schulz  11.07.2008

Mittwoch, 12. Oktober 2011.

.

© Historischer Verein Rastatt e.V.
Web Design: Reiner Schulz